Liebe Politfunktionäre!

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Veröffentlicht am: 12. Februar 2017

Von Susan Bonath.

Seit ewigen Zeiten predigt ihr uns »kleinen Leuten« dieselben Floskeln: Tugendhaft sei nur, wer brav tagein, tagaus für die von euch gehätschelten Unternehmen arbeitet. Wer nicht jeden Morgen um vier Uhr aufsteht, um am Fließband Dinge zu produzieren, die er sich oft selbst nicht leisten kann, sei unserer Wertschätzung, unserer Hilfe, unserer Güte, ja des Lebens, unwürdig. Ihr zwingt uns mit repressiven Gesetzen in die riesige Kapitalvermehrungsmaschine eurer Dienstherren.

Vorher lasst ihr uns eure Drillanstalten, genannt auch Schule, durchlaufen. Mit Noten auf eingetrichtertes Wissen entfremdet ihr unsere Kinder von sich selbst. Gefügige IT-Experten, Wissenschaftler, Lehrer, Büroangestellte und Bandarbeiter sollen sie werden, die eure Befehle ausführen. In ein Belohnungssystem aus Zahlen auf Zeugnissen und Bankkonten sollen sie sich selbst hinein knechten – wie wir. Vor eurem Bestrafungssystem, das sich Hartz IV nennt, sollen sie in Lohnarbeit, Markt und Konsum flüchten – wie wir. Sie sollen eure Computer und Maschinen erfinden und bauen, die sie selbst irgendwann überflüssig machen werden, damit die Profite in die Taschen eurer Herren sprudeln.

Ja glaubt ihr ernsthaft, dass ein großer Teil von uns noch nicht mitbekommen hat, dass euer »heiliger Markt«, auf den ihr so schwört, gar keine andere Aufgabe hat, als eurem Führungspersonal, den Bankern, Investoren und Besitzern riesiger »Global Player« die Taschen zu füllen? Meint ihr, immer mehr von uns würden nicht merken, wie eure Ideologie vom ewigen Wachstum die gesamte Menschheit in den Abgrund führt? Ein Wachstum, das ihr nur noch mit aggressiver imperialer Politik aufrecht erhalten könnt, mit Kriegen, Ausplünderung, Regimechanges, und das aktuell auf dem endlichen Planeten an seine Grenzen stößt.

Ihr schwafelt von einer »freiheitlich-demkoratischen Grundordnung«, heuchelt von Leistungsgerechtigkeit, während ihr den Millionen kleinen Arbeitern immer höhere Steuern und Gebühren abzapft. Die stopft ihr nicht nur in eure eigenen Taschen und euren Herrschaftsapparat, die wuchernden Verwaltungen und Behörden. Ihr werft sie den Banken, Rüstungsgiganten, Aktiengesellschaften und Dumpinglohn zahlenden Handelsketten als »Rettungspakete« und »Fördermittel« in den Rachen.

Ich habe viele von euch kennen gelernt. Ich weiß genau, dass ihr in großer Zahl selbst nicht genug Verstand besitzt, um über Zahlenspiele, schwarze Nullen und egomane Ziele, bald ein paar gut bezahlte Posten in Aufsichtsräten abzugreifen, hinauszudenken. Wurdet ihr doch selbst durch eure eigenen Drillanstalten geschickt. Unzählige Male musste ich mir eure armseligen Argumente für eure Mythen und Märchen anhören, nach denen euer ewig wachsender Markt alternativlos und der Mensch von Natur aus raffgierig sei.

Aber ganz so dumm seid ihr auch wieder nicht. Ihr wisst, dass ihr lügt. Auch wenn ihr nur lügt, weil ihr es selbst nicht kapiert. Selbst wenn ihr nur die Lügen wiederholt, die eure Herren, die Kapitalbesitzer und deren Think Tanks, euch seit Ewigkeiten einflüstern. Ihr lügt, weil ihr wisst, dass nicht ihr, sondern sie die Welt beherrschen, und ihr in Wahrheit ihre Pressesprecher seid. An ihren Profiten hängt es, ob ihr euch und euren Bürokratenapparat mästen könnt auf Kosten der arbeitenden und konsumierenden Steuerzahler.

Weil ihr wisst, dass es so ist, schafft ihr riesige Niedriglohnsektoren, in welche ihr uns mit Gewalt auf Gedeih und Verderb knechtet. Darum füttert ihr Rüstungskonzerne und Armeen, die dafür da sind, unser Land und unsere Ressourcen zu rauben, uns in Kriegen abzuschlachten oder auszuhungern. Darum treibt ihr Millionen Menschen auf die Flucht, die ihr in Lagern abfangt und misshandelt. Darum lasst ihr uns überwachen bis in unsere Schlafzimmer. Weil euch das sehr klar ist, lügt ihr uns tagein, tagaus die Taschen voll.

Doch am Ende, liebe Politiker, wird euch oder euren Kindern das alles auf die Füße fallen. Wenn ihr Milliarden Menschen völlig mittellos gemacht habt, die nichts mehr zu verlieren haben, werden euch eure Mauern, Zäune und Sicherheitsanlagen nichts mehr nützen. Baut ihr darum eure Armeen und Polizeiapparate so rasant aus? Rüstet ihr sie darum mit unseren Steuern bis an die Zähne auf? Ihr hofft darauf, dass sie am Ende auf uns, nicht auf euch und eure Herren schießen werden. Das wird eines Tages die entscheidende Gretchenfrage sein. Und das ist euch bewusst.

Die Wahrheit ist, dass euer »Deutschland geht es gut«-Geschwätz nichts weiter bedeutet, als dass die Großaktionäre immer mehr abkassieren, horten und plündern und bereits jetzt den gesamten Planeten,  der einst niemandem und allen gehörte, für sich beanspruchen. Dass unsere Kommunen pleite, weil bei euren Herren bis an die Halskrause verschuldet sind. Dass immer weniger immer mehr arbeiten sollen und ihre Renten immer kläglicher werden. Dass wir an produzierten Waren ersticken, die sich Millionen gar nicht leisten können – und die ihr lieber wegwerfen und verbrennen lasst, als sie gerecht zu verteilen.

Die Wahrheit ist auch, dass immer mehr Maschinen und weniger Menschen eure Profite erwirtschaften, während ihr die Outgesourcten demütigt und drangsaliert. Dass ihr die Lohnarbeiter abzockt und ihnen vorlügt, ihre Feinde seien die Erwerbslosen. Dass die Krankenhäuser, Schulen und Pflegeheime verrotten und verwahrlosen. Dass zu wenige Pflegekräfte, Ärzte und Lehrer am Limit schuften, während Tausende von ihnen keinen Job finden oder sich für Hungerhonorare verdingen müssen.

Wahr ist, dass wir eure Rüstungskonzerne und Beraterfirmen, eure Armeen und Banken, eure Gesetze und Glaubenslehren, eure Grenzzäune und Parlamentsreden, eure Chefs und euch gar nicht brauchen. Ihr und das alles ist so überflüssig, wie es eine Krankenschwestern, Bäcker und Putzfrauen niemals sein werden. Ihr plündert uns aus, um eure Herren zu bereichern, in der Hoffnung, euer klägliches Leben lang an ihren Töpfen und Tafeln mitzuessen. Dafür geht ihr über Leichen.

Ihr Merkels, von der Leyens, Schäubles, Seehofers, Gabriels, Nahles´, Liebichs, Trittins, Gaulands, Petrys und Höckes zwingt uns euren Markt auf, den ihr uns wie eine »Religion« anpreist, in dem tatsächlich aber jeder ohne euer Geld vor die Hunde geht. Einen Markt, der errichtet wurde auf dem Blut eurer Opfer: Millionen versklavte, beraubte, vertriebene, ausgehungerte, massakrierte Menschen, die eure Handelskompanien und Armeen bis heute verantworten.

Ihr lasst uns malochen, aber verbietet uns, die Arbeit selbst unter uns aufzuteilen. Einen Teil von uns, der euren Gewaltapparat aufrechterhalten soll, begünstigt ihr. Ihr gebt ihnen mehr Lohn und ein paar Sklaven, die sie beaufsichtigen und sich dabei besser fühlen können. Die von euch gehätschelten Kapitalbesitzer spielen sich als »Arbeitgeber« auf, obwohl sie von unserer Arbeit nur abkassieren. Leistungsträger seien sie, lügt ihr uns vor. In Wahrheit sind sie meist nur reiche Erben, Großaktionäre, Abzocker, Ausbeuter. Und ihr wisst: Ein Kapitalbesitzer, der nicht ausbeuten will, ist schneller pleite, als er gucken kann.

Noch funktioniert euer perfides Spiel. Noch lassen sich genügend privilegierte Aufseher von euch einreden, sie seien die tragende Säule unserer Gesellschaft, die es verdient habe, privilegiert zu sein. Noch habt ihr viele Diener in eurer Hand: Wissenschaftler, die neue Waffensysteme entwickeln. Soldaten, die Terror bekämpfen, den ihr weltweit verursacht, und Menschen, die sie nicht kennen, in eurem Auftrag töten. Die Polizisten und Staatsanwälte, die eure Verbrechen decken und kleine Mundräuber dem Henker übergeben. Die Behördenangestellten, die ohnehin Mittellosen die letzten Mittel zum Leben streichen und große Steuerbetrüger laufen lassen. Ihr habt sie in der Hand, weil ihr sie mit dem bezahlt, was ihr nur erfunden habt, um uns in eurer Abhängigkeit zu halten: Geld.

Doch wenn wir erst anfangen, für uns selbst zu arbeiten und aufhören, euer Geld und euer von uns geschaffenes und von euch gerafftes Eigentum anzuerkennen, seid ihr verloren. Dann werdet auch ihr merken, dass ihr nur billiges, korruptes Aufsichtspersonal einer niederträchtigen, mordenden Kapitalmaschine seid, das ebenso wie wir Geld nicht essen, Glück nicht kaufen und einzeln nicht existieren kann. Diese Realität wird euch einholen, verlasst euch darauf. Das ist eure größte Angst.

Mit hoffnungsvoller Verachtung.

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

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