„Der Täter Jamal A. verklagt mich, weil ich seiner Opfer gedenke“ – mit diesem Statement postete Identitären-Chef Martin Sellner am Montag ein Video auf YouTube. Tatsächlich könnte ihm bald ein Anwaltsschreiben ins Haus flattern. Zwar nicht, weil er – wie der Videotitel impliziert – den beiden Opfern von Wullowitz gedacht hat, sondern weil er den mutmaßlichen Täter in einer Rede als „Mörder“ bezeichnete. krone.at hat mit Anwältin Astrid Wagner, die gemeinsam mit Wolfgang Blaschitz den Mordverdächtigen Jamal A. vertritt, zur Causa gesprochen.

Was war passiert? Anlässlich der dramatischen Vorfälle im oberösterreichischen Wullowitz hatten die Identitären am Sonntag in Leopoldschlag zu einer Gedenkfeier für den getöteten Landwirt Franz G. (63) geladen. In einer Rede soll Sellner den dringend tatverdächtigen Jamal A. dann als Mörder bezeichnet haben.

„Rechtliche Schritte werden geprüft“
Grund genug für Wagner und Blaschitz nun, gegen den Identitären-Chef rechtliche Schritte einzuleiten. Da Jamal A. nämlich noch nicht der Prozess gemacht und er somit nicht wegen Mordes verurteilt wurde, entspreche die Aussage Sellners einer Vorverurteilung. So ist es im Rechtsstaat geregelt. „Es werden jetzt rechtliche Schritte wegen Verstoßes gegen die Unschuldsvermutung geprüft“, erklärt Wagner die Situation im Gespräch mit krone.at.Astrid Wagner(Bild: Martin Jöchl)

Wegen zweifachen Mordverdachts in U-Haft
Jamal A. wird vorgeworfen, am vergangenen Montag den 32-jährigen Flüchtlingsbetreuer in einer Unterkunft in Wullowitz mit einem Messer niedergestochen zu haben. Danach traf er auf seiner Flucht auf den Landwirt Franz G. Diesen soll Jamal A. ebenfalls das Messer in den Körper gerammt haben. Für den Landwirt kam jede Hilfe zu spät. Und auch der schwerst verletzte 32-Jährige erlag am Freitag seinen schweren Verletzungen. Der 33-jährige Afghane sitzt seither in U-Haft.Wolfgang Blaschitz(Bild: Andi Schiel)

„Jetzt bezahlt vielleicht indirekt Sellner“
Wagner und Blaschitz übernahmen die Verteidigung des Asylwerbers. Auf die Frage, wie der Afghane solche Top-Anwälte bezahlen kann, spielt Wagner im krone.at-Gespräch auf eine vielleicht bald gewonnene Klage gegen den Identitären-Chef an: „Indirekt bezahlt ja jetzt vielleicht bald der Herr Sellner die Verteidigung …“

Quelle: https://www.krone.at/2027455

Jetzt droht Sellner Klage wegen Vorverurteilung