Bestsellerautor Albrecht Müller zeigt, dass und wie sich die Verhältnisse grundlegend verschlechtert haben. Die Revolution ist überfällig! Aber leider im Grundgesetz nicht vorgesehen … Der Idee nach haben wir eine schöne Demokratie, tatsächlich aber verhärtete Verhältnisse: Die Einkommen sind ungerecht verteilt. Große Vermögen in wenigen Händen und Finanzkonzerne beherrschen die Wirtschaft. Die Parteien sind programmatisch entkernt, die Medien konzentriert und meist angepasst. Frieden? Gemeinsame Sicherheit? Stattdessen wird auf Konfrontation und Kriegsvorbereitung gesetzt, fremdbestimmt von den USA. Europa zerbröselt. Die Revolution ist überfällig, resümiert Albrecht Müller, aber es wird sie nicht geben. Sein Rat an Gleichgesinnte: Tut euch zusammen, verhindert das Schlimmste und setzt auf bessere Zeiten!

Albrecht Müller war zu Regierungszeiten von Brandt und Schmidt im Bundeskanzleramt tätig, später von 1987-94 dann als SPD-Abgeordneter im Bundestag. Seit 2003 Autor und Mitherausgeber der Nachdenkseiten, die vor allem sozialpolitische Themen bearbeiten, aber auch mit seinen Büchern „Meinungsmache“ und „Glaube wenig …“ (2019) immer aufklärerisch und medienkritisch aktiv, um Manipulation und Propaganda aufzuzeigen und zu kritisieren.

Inzwischen als aktiver 82-Jähriger blickt A. Müller nun in seinem neuen Buch „Die Revolution ist fällig“ auf viele Jahrzehnte politischer und publizistischer Tätigkeit zurück, die zunehmend gekennzeichnet ist von der Enttäuschung über die Entwicklung der SPD und sozialdemokratischer Politik. So trägt das Hauptkapitel die Überschrift „Das Zeitalter der Restauration. Wo man hinschaut – Rückschritt.“ Aber es ist keine politische Autobiografie, obwohl A. Müller immer wieder Beispiele seiner politischen Praxis einfügt. In 19 kurzen Kapiteln listet er die Versäumnisse der heutigen Politik bzw. die Missstände in der Gesellschaft auf (Rentenpolitik, Macht der Finanzkonzerne, fehlende innerparteiliche Demokratie, Unterordnung unter die amerikanische Außenpolitik, wachsende Spannungen mit Russland und China, Privatisierung u.v.m.) Kritisch betrachtet werden auch die Medien, die diese neoliberale Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten gefördert haben und die nun aufkeimende Kritik als Verschwörungstheorien abqualifizieren.

Im IV. Kapitel beschreibt A. Müller kurz seine Zielvorstellungen, die eine „Projektgruppe Neue Gesellschaft“ zu einem politischen Programm ausarbeiten sollte. Insgesamt beurteilt Albrecht Müller aber die Aussichten einer neuen Bewegung – oder soll man von einer “Revolution” (vgl. Titel) sprechen – eher pessimistisch, zumal auch sein Urteil über die „linken“ Parteien (SPD, Jusos, Grüne, Linke) negativ ist. Er schreibt, sie würden „ihrer wichtigen Aufgabe nicht gerecht“. (siehe Kap. 11, Seite 86ff.)

Die Demonstrationen gegen Rassismus oder Aktionen der Klimaaktivisten von Fridays for Future werden von A. Müller begrüßt, sie müssten sich jedoch programmatisch mit den Zielen „Ökologie, Gerechtigkeit und Frieden“ zusammenfinden und zusammenarbeiten.

Bei allem Respekt vor der politischen und publizistischen Arbeit von Albrecht Müller sei doch angemerkt,
dass die Perspektive des Buches und des entworfenen Programms sich weitgehend auf den Nationalstaat beschränkt, auf eine echt sozialdemokratische Sozial- und Wirtschaftspolitik, wie sie zu Zeiten von Brandt und Schmidt möglich war. A. Müller lobt zurecht die neue Ostpolitik unter Brandt und kritisiert die amerikanische Außenpolitik; zu fragen ist allerdings, ob dadurch die heutige internationale Konfliktlage ausreichend beschrieben ist. Auch wird die Integration in die erweiterte EU, die Rolle der EZB und die internationale Verflechtung durch die Globalisierung kaum berücksichtigt.

Trotzdem: Ein lesenswerter, kritischer, engagierter Blick auf die heutige politische und gesellschaftliche Lage
aus der Sicht eines erfahrenen Politikers und Publizisten mit “sozialdemokratischem Herzen”. Respekt

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Die Revolution ist fällig: Aber sie ist verboten von Albrecht Müller